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Mittwoch, 20. Juni 2007
frische wasser
knoerer
11:46h
Gestern hat mich ein Student befragt, für seine Magisterarbeit, zum Thema Filmkritik. Was ihre Aufgabe ist und ihre Funktion, ob ästhetische oder ideologiekritische Kategorien wichtiger sind, aber auch, ob Filme Kunst sind oder Unterhaltung, ob sie die gesellschaftliche Wirklichkeit widerspiegeln und so weiter. Wahrscheinlich bin ich ihm auf die Nerven gegangen, weil ich immer wieder gesagt habe: Das ist die falsche Alternative. Oder: Das kommt doch sehr darauf an, was Sie mit Kunst meinen. Oder: Ist Widerspiegeln da der richtige Begriff? Das habe ich dann jeweils weiter erläutert, wie ich das meine. Warum man diese Alternativen erst einmal auflösen muss, bevor man mit ihnen arbeiten kann, wenn überhaupt. Warum man über Begriffe erst einmal nachdenken muss, bevor man versuchen kann, mit ihnen etwas zu fassen zu bekommen und zu treffen. Das hat mich stutzig gemacht, ungeduldig und stutzig, all das Kompakte, das schon Vorgedachte, das da auf eine kompakte Antwort wartete, auf ein Ja oder Nein. ... Comment
roland, 2007/06/20 12:18
Ah. Das schmerzt, in Erinnerung meiner nicht-so-seligen Studienzeit, ich sag jetzt mal, das sind Phantomschmerzen, sicher bin ich da aber nicht.
Diese vorformatierten Arbeiten waren ja eigentlich überall und ich nehme mal an, das sie u. a. auch dem vorformartierten Studium irgendwie geschuldet sind. Geht halt schnell, ne, was zählt, wenn die Antwort sich auf binäre Oppositionen hinbiegen lässt - meistens wird ja schon im Abstract schon klar, worauf die "Alternativen" hinauslaufen sollen, d. h. was damit bewiesen sein will. Leider ist das wirklich oft genug so simplizistisch. ... Link
knoerer, 2007/06/20 12:45
Der war jetzt gar nicht besonders schlimm, dieser Student, übrigens. Insofern ist das überhaupt nicht persönlich gemeint. Einmal hat er sogar entschuldigend gesagt, "Gesellschaftskritik" steht im Titel der Arbeit, darum muss ich da jetzt noch einmal nachfragen. Er hat durchaus nicht nur Fragen abgelesen; aber es war eben schon eine Abfrage, die auf einen Vergleich von Positionen hinauslief. [Edit: Rest gestrichen, da vom Interviewer als vertrauliche Information betrachtet.]
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roland, 2007/06/20 13:52
Ja, hab ich auch so verstanden, also dass das jetzt nicht gegen den als Einzelnen geht, sondern eher auf Strukturelles hindeutet (so hatte ich meins auch gemeint, bleibe da natürlich eh nur am Symptom, wenn überhaupt).
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alex63, 2007/06/20 12:32
danke
wenn ich das so lese, dann kriege ich eine unheimliche lust, adornos gesamtwerk zu lesen. bzw. noch besser alles zu hören von ihm, was jemals aufgenommen wurde. wenn ich doch nur die geduld dazu hätte. und die zeit.
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MH, 2007/06/20 15:11
Kommt von der Seite sicherlich
Bei einem ersten überblick über die zeitgenössische deutsche szenerie fällt das fehlen jeglichen experimentes auf, was so viel wie stagnation und tod einer dichtung bedeutet. Die arbeit an der sprache, die bewusstwerdung des menschen durch sprache ist unterbrochen. Man ist nicht weit über die arbeit der deutschen romantik hinausgekommen. Von den Verdiensten der deutschen Klassik und Romantik zehrt noch heute eine einfallslose generation. Die geistige stupidität, gefördert durch allgemeines dichterisches wischi-waschi, der zerfall der Sprache, die entwertung der worte sind zeichen für die unaufmerksamkeit der öffentlichkeit und besonders der eliten gegenüber sprache, und das ist soviel wie gegenüber wirklichkeit. Wirklichkeit wird nicht zum geringsten von sprache als dem unmittelbaren ausdruck menschlicher emotionen und bewusstwerdungen geschaffen. Heute ist es möglich, dass der kanzler einer deutschen regierung in der öffentlichkeit konfuse gedanken in konfusen sätzen äussert,ohne dass sich aus eben dieser öffentlichkeit auch nur eine stimme erhebt, die auf das verhältnis zwischen konfusem satz und konfusem gedanken und den notwendigerweise daraus entspringenden konfusionen oder unaufrichtigkeiten hinweist. Genauigkeit der sprache schafft genauigkeit des denkens, und genauigkeit des denkens ist notwendig für jede aufrichtige und dem wohle des volkes zugewandte politik. Das versagen der dichter hat aber nicht nur die Sprache als das bedeutendste politikum verfallen lassen (hier die soziologische verpflichtung des poeten), sondern ebenso zur verkümmerung gewisser menschlicher qualitäten beigetragen. Ein volk verarmt, wenn sein intellektuelles leben losgelöst von der lebendigen und gesprochenen Sprache vor sich geht. Die deutsche literatursprache ist nicht nur langweilig (mit ausnahme der prosa einiger grosser meister), sondern auch steril. Ein amerikanischer zeitungsschreiber weiss mehr von der wirkkraft und lebenskraft der Sprache als ein ziemlich bedeutender deutscher Schriftsteller. Rainer Maria Gerhardt, "Zu einer Auswahl neuerer Gedichte", in: "umkreisung - das gesamtwerk", Wallstein 2007. Geschrieben 1952. So viel richtig, so viel falsch. Gerhardt hat in dieser Zeit so nachdrücklich wie erfolglos auf Klarheit und "Sauberkeit" gepocht, ausgerechnet aus dem Geist von Pound und Konfuzius, da hätte noch was kommmen können, leider 1954 Suizid (mit 27). ... Link ... Comment |
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last updated: 2008/06/21 12:20 furl
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by knoerer (2008/06/16 13:33)
Eigentlich könnte ganz unten
auch Passepartout stehen.
by goncourt (2008/06/16 11:40)
Das ist ein etwas unheimliches
Bild. Es war nur ein Arm zu sehen von...
by knoerer (2008/06/16 08:33)
Wie der auch immer wieder
auf die Beine kommt, darüber müsste man was machen, irgendwie
by supatyp (2008/06/15 14:38)
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