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Freitag, 15. November 2002
Alex Chilton: Like Flies On Sherbert (1980)
knoerer
17:23h
Mit viel Konsequenz hat Chilton es geschafft, die einst nicht unbeträchtliche Zahl von Fans per dauerhaftem Vor-den-Kopf-Stoßen gegen Null zu minimieren; auch bei den Plattenfirmen hatte er, nach den sogar kommerziell halbwegs viel versprechenden Anfängen mit Big Star, bald keinen guten Stand mehr. Tatsächlich ist diese Platte eine Zumutung. Es beginnt mit einem Boogie, zu dem man nicht tanzen kann, danach feiert zielgerichteter Dilettantismus gar nicht mehr fröhliche Urstände: "My Rival" wird zersungen und zerspielt, bis von sowas wie Songstruktur nicht wirklich mehr die Rede sein kann. "Hey! Little Child" wiederum klingt frappierend nach The Fall, also Mark E. Smith, noch so ein Genie, dessen Konsequenz ich immer nur mit Vorbehalten goutieren konnte. Mit "I've Had It" gelangt Chilton dann, mehr oder weniger übergangslos, zu T.Rex und es ist klar, dass an der Platte kaum einer, dem sie hier gefällt oder da, durchgehend ungetrübte Freude hat. Mit voller Absicht, vermute ich, klingt das hier alles, als sei es irgendwo unter Wasser aufgenommen und immer wieder vermittelt Chilton sehr überzeugend den Eindruck, dass zu den offenkundig vielen Dingen, die er nicht professionell beherrscht, der Gesang an vorderster Front gehört. Das Spielen der Instrumente und das Produzieren kommt dazu, produziert hat er "Like Flies On Sherbert" nämlich auch selbst, im Verbund mit James Luther Dickinson, der auf dem Cover eingeschlagen in ein der US-Flagge ähnliches Stück Tuch posiert, auf der Nase eine riesige schwarze Brille; er sieht aus, als habe er Käferaugen. In "Girl After Girl" übrigens, das läuft jetzt, gibt Chilton, darauf haben wir natürlich noch gewartet, Elvis. Alles, was ich bisher gesagt habe, bleibt freilich auch hier wahr, und falls das sogar Elvis ist, der hier, nun ja, singt, dann sollte man seinen Fans besser nichts davon verraten. Danach, der kränkeste Song von allen, eiert das hinüber auf Country-Gelände mit "Waltz Across Texas" und das klingt nach einer Jukebox, die ein paar Jahre in der Wüste vor sich hin geschmort hat. Kommt einer vorbei, steckt den Stecker rein und dies ist mein letzter Song, sagt sie, verzweifelt, mit letzter Kraft, nimmt kurz vor Schluss nochmal Anlauf und gibt den Geist auf. Todtrauriges Lied. Geniale Platte.
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last updated: 26.06.12, 16:35 furl
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