Dienstag, 30. September 2003
Paul Benjamin: Squeeze Play

"It is not a legitimate book", sagt Paul Auster über Squeeze Play, den Roman, den er 1978 geschrieben und 1982 für 1000 $ verkauft hat, womit dann der legitime Zweck der illegitimen Literatur auch noch verfehlt wurde: Geld einzubringen. Das war vor dem Ruhm, in Hand to Mouth schreibt Auster über die Zeit. Erstaunlicherweise hat er recht damit, das Buch gehört nicht in sein Oeuvre, obwohl er danach durchaus auch schlechtere Bücher geschrieben hat. Squeeze Play ist ein PI-Roman in klassischer Hardboiled-Tradition, aber einer, dem anzumerken ist, dass es am rechten Ernst fehlt. Nicht, dass es eine Parodie wäre – obwohl da Sätze stehen wie ‚Ich fühlte mich wie eine Artischocke, der man gerade die Blätter ausgerissen hatte‘ -, nicht, dass das Buch schlechter wäre als viele andere ähnliche; es wurde sogar für den Shamus-Award nominiert, den Branchenpreis der Detektivromanschreiber. Merkwürdig berühren nur die, so paradox formuliert wie es sich anfühlt: ambitionslose Übererfüllung der Konvention, der beinahe offen bekundete Wille, alles unversucht zu lassen, was aus dem Buch ein ungewöhnliches Exemplar seiner Gattung machen könnte. Ein Autor, der auf der Suche nach der eigenen Stimme in einen Ton fällt, aus dem tausende Hardboiled-PI-Romane klingen, aber nicht die Spur Auster (man wird schon vom späteren, legitimen Werk her zurücklesen müssen, um mit viel Mühe ein wenig Auster zu finden). Zugleich gehört Squeeze Play ins Werk als das, was in der New York Trilogy bereits hinter sich gelassen ist, das reine Genre, das Untertauchen im Pseudonym der beiden Vornamen (Paul Benjamin); das wiederum als treffendes Eingeständnis, noch nicht man selbst geworden zu sein. Squeeze Play ist ein Gesellenstück in dem Sinne, dass es handwerkliche Perfektion vorführt als etwas, das mit einem individuellen Können nichts zu tun hat. Der Unterschied zum großen Teil der Genre-Literatur, die vor allem aus dieser Art Gesellenstücken besteht, liegt aber darin, dass dem Buch eine nicht abschätzige, aber selbstgewisse Überhebung abzulesen ist, in der wie absichtslosen Absichtlichkeit, mit der hier die Grenzen als selbst gesetzte unterschwellig vorgeführt werden.

 
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last updated: 26.06.12, 16:35

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