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Freitag, 3. Oktober 2003
Geschenke
knoerer
10:54h
Kaum etwas macht mir so schlechtes Gewissen wie das Verschenken von Büchern, von denen ich weiß, oder zu glauben weiß, dass sie Schrott sind. Mag sein, dass andere nicht in solche Verlegenheiten kommen, aber mir passiert es gelegentlich, und zwar genau dann, wenn ich netten Menschen, deren literarischer Geschmack schlechterdings katastrophal ist, etwas schenken will. Die Welt wäre vielleicht schöner, jedenfalls konsequenter eingerichtet, wenn es sowas nicht gäbe. Gibt’s aber, jedenfalls in meinem Bekanntenkreis. Wenigstens, höre ich, sollte ich dann nicht Bücher, sondern Unverfänglicheres schenken. CDs vielleicht? Leider haben die Menschen, deren Literaturgeschmack dem meinen zuwiderläuft, auch im Musikalischen oft genug höchst prekäre Vorlieben. Manchmal findet sich was, aber wenn die Leute Spezialisten für irgend etwas sind, für das man es nicht ist, dann zielt man mit einiger Gewissheit so daneben, wie einst diverse ältere Bekannte meiner Eltern daneben zu zielen pflegten, weil ihnen ein Buch mehr oder weniger ein Buch und ein- und dasselbe ist. Man kann natürlich immer irgendwas Unverbindliches schenken – aber Menschen, die man mag, merken das sofort, dass es unverbindlich ist. Bei denen, die die Aporien des Schenkens leid sind, so leid wie ich, geht das in Ordnung, wenn man sich nicht ohnehin darauf geeinigt hat, es gleich bleiben zu lassen, jedenfalls zu den dafür vorgesehenen Terminen. Es bleiben immer noch die, die nett sind und von denen man weiß, dass sie sich über ein persönliches, bewusst adressiertes Geschenk freuen würden. Und die einen furchtbaren Literaturgeschmack haben, aber Bücher lieben. Auch diese Kombination gibt es. Leider. Und dann kommt es vor, dass ich ein Buch schenke, von dem ich weiß, dass ich, sollte ich mich im Ernst dazu äußern, nichts Gutes sagen könnte. Sagen wir, ein Buch von Paulo Coelho. Ja, ich gestehe es: ich habe einmal ein Buch von Paulo Coelho verschenkt. Mit schlechtem Gewissen. Ich hatte das Gefühl, eine Art doppelten Verrat zu begehen: an der Literatur und an der Beschenkten. Weil ich doppelt strategisch vorgegangen bin, zum einen meinen Überzeugungen untreu geworden bin und zum anderen sozusagen von oben herab geschenkt habe. Zweierlei ist vielleicht nicht verwunderlich: Die beschenkte Person hat das Buch sehr gemocht. Heute haben wir keinen Kontakt mehr.
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last updated: 26.06.12, 16:35 furl
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