Freitag, 23. Juni 2006
die pointe

Vor Burkhard Spinnen auf dem Schiedsrichtertisch liegt ein Hut und er sieht dem auf Klaus Nüchterns Tisch recht ähnlich. Ein Rätsel sind die unterschiedlichen Wasserflaschen, vasenartig vom Italiener her bekannt hier, hässlich und krügerisch da. Dazu gibt es Namensschildchen und wechselnde Kleidung. Man fragt sich, wer in wessen Auftrag die Muster in den Sand im Studio präpariert hat und ob sie etwas bedeuten und wenn ja was. Auch die Schriftzeichen an der Wand erschließen sich dem mitteleuropäischen Auge nicht. Nur dem Text von Thomas Melle folgte ich bisher aus Gründen eines im Vorhinein geweckten Interesses von Anfang bis Ende, bin aber nicht sicher, was die Sprache da tut oder treibt und mit wem. Sonst ist es oft so, dass die einen das eine sagen und die anderen sagen anderes. Schön ist's, am Nachmittag dann die Wahl zu haben zwischen fußballerischen Toren und mehr oder minder klugen Juroren, die, nehme ich an, immerzu sagen, was sie meinen. Das kann Schweini nicht passieren, der in der Pressekonferenz das Schicksal mit den geflügelten Worten beschwor: Ich bin ganz sicher, dass wir ausscheiden.

(Und ich, gebe ich zu, habe auf die Pointe gewartet.)

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woher der hase weht

Gelobt sei, schreibe ich als Premiereloser, das österreichische Fernsehen - und nebenbei der Standortvorteil Konstanz: Im ORF scheuen sie sich nämlich nicht, dem Betrachter und der Betrachterin die Intelligenz zuzutrauen, einer Schaltkonferenz zu folgen. So gab es gestern deutlich mehr Australienkroatien als Brasilienjapan, wofür noch einmal ein Extralob. Tolles Spiel übrigens mit einem Schiedsrichterteam, das sich tief in den finsteren Wald hineinpfiff und dort dann, von zupfenden, fällenden, fallenden und reißenden, zudem auch Unschuld markierenden und obendrein handspielenden Australierkroaten umzingelt, allerlei arg Unlauteres durchgehen ließ. Ein ungewohntes Zusatzmoment an Aleatorik, das viel Spaß machte. Auch "Schneckerl" Prohaska als unaufgeregten Nach- und Zwischenbeobachter, weder Grinsekopf noch Betonfresse, habe ich, kam Zeit, kam Gewöhnung, durchaus lieb gewinnen können. Gelernt auch, dass man in denen ihrer Sprache "Corner" sagt. Dass der Moderator einmal formulierte, nun wisse man, woher der Hase wehe, war zwar schön, aber wohl doch kein Austriakismus.

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