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Sonntag, 10. März 2002
handsome family
knoerer
12:59h
Aus dem Rundbrief der wunderbaren Band "Handsome Family" an ihre Fans (es kommen dann, später im Brief, auch Infos zur neuen CD und Tourdaten): FUN HOME PROJECTS! Make a ghost tape! Learn to understand animals! Was es heißt, mit der schönsten Musik der Welt gerade mal so durchzukommen, erfährt man hier: "Also--somewhere toward the end of the Irish shows, maybe in Cork or Dublin, Brett's brother Darrell will arrive and begin to play drums with us and sing lovely harmonies. (...zehn Tourneedaten später:) Somewhere in here Darrell will go home and our invisible, electronic drummer will join us again. Sorry, but some of us have jobs to keep." ... Link
kuhlbrodt
knoerer
12:10h
Jetzt erst entdeckt: die Tagebuchserie von Detlef Kuhlbrodt in der Jungle World. So einer, den ich nur aus dem Veröffentlichten kenne und von daher sehr sympathisch finde. Noch sympathischer wird er einem durch diesen Blick durchs Schlüsselloch in seine zwischendurch nicht mehr untervermietete 5-Zimmerwohnung. Sehr viel ist aus diesen Texten zu lernen: über eine Existenz am Rand des Kulturbetriebs; ganz am Rand, muss man wohl sagen über einen, der vorwiegend mit taz-Schreiberei so über die Runden kommt. Einer, der sich tatsächlich ein Gewissen macht. Über die Welt und das was er schreibt. Der sich, das muss mal so pathetisch gesagt sein, nicht verkauft, obwohl er, vermutlich, mit nur ein bisschen Verbiegen, ganz gut verkäuflich wäre. Sollte mal irgendwer, viel später, ein Interesse haben, wie das gewesen sein könnte, jenseits von Berlin Mitte gelebt zu haben, damals, in den Zeiten von Berlin Mitte, dann wird man Kuhlbrodt lesen müssen. (Vermutlich wird aber auch später keiner ein Interesse haben.) "Eine Weile lief's dann prima und dann halt nicht mehr so. Man wird älter, lebt immer noch vom Journalismus im Kulturbetrieb, der einem fremd ist, obgleich man mit drin steckt, man schreibt immer noch für die taz, weil man da halt zu Haus ist und einem die anderen Zeitungen suspekt sind und weil man viele, die bei der taz arbeiten, nett findet, und weil man ab und an ein Lob kriegt von Leuten, die in ähnlich unsicheren bis verpeilten Zusammenhängen leben. Gleichzeitig kotzt einen das eigene Schreiben immer öfter an, das Kettenrauchen am Schreibtisch macht einen fertig, und viele Artikel traut man sich gar nicht mehr, noch mal zu lesen. Oder Einträge wie dieser (man muss ja gar nicht Balzac lesen, um zu wissen, dass nichts konkreter ist als Geldsummen. Man müsste einen Roman schreiben wie eine Bilanzliste. Das Leben als Anhängsel von Ausgaben und Einnahmen): Kontoauszüge. Deprimierend: - 4.564,44. Andererseits: Vor einem Monat waren es noch - 5.141,-. Ein bisschen stolz, dass ich im letzten Monat nur 376,- fürs normale Leben ausgegeben habe. Oder dieser: Annettes Geburtstag. Jens sagt, er werde im nächsten Jahr wahrscheinlich irgend so eine drei Meter hohe Figur in Dresden an einer Kirche machen. Zwei vor ihm sind daran schon gescheitert. Beide tot. Einer wurde vom Gabelstapler getötet. Der Tod spielt ohnehin eine prominente Rolle im Tagebuch, das von vorne bis hinten lesenswert ist, hier die Links zu den einzelnen Teilen: Nein, vorher noch dieses Zitat: Stoned. Wie komisch unzusammenhängend mir mein ganzes Leben vorkommt. Kein schlimmes Gefühl. Aber auch nicht besonders romantisch. Vor allem gehetzt, unruhig. Ach, Unsinn. Die Tage gefallen mir doch, es ist schön, der neue, weiche Schnee, der dort draußen liegt. ... Link
heimat 3
knoerer
10:41h
Die Geschichte beginnt am 9. November 1989. Am Abend des Mauerfalls treffen sich zwei von Karrierestress und Heimatlosigkeit geplagte Musiker, (der Dirigent Hermann Simon und die Sängerin Clarissa Lichtblau) in einem Westberliner Hotel. Sie waren einmal ein Liebespaar und hatten sich im erfolgsorientierten Jet-Leben 17 Jahre lang verloren. Angesteckt von der Aufbruchs-Euphorie der Deutschen und ihres Wiedervereinigungstaumels machen sie sich auf den Weg in den Hunsrück. Ein romantisches Fachwerkhaus hoch über dem Rheintal hat es ihnen angetan und soll von nun an die Mitte ihres ruhelosen Lebens werden. Was hier beginnt und über ein ganzes Jahrzehnt erzählerisch verfolgt wird, ist die Geschichte einer Liebe nach dem Happyend. So beginnt, laut offiziellem Kurzinhalt, der dritte Teil der Heimat von Edgar Reitz. Allein das Glück, nur die Namen Hermann und Clarissa wiederzulesen... Ganze Schockwellen der Erinnerung an die Zweite Heimat löst das aus. Ein Wunder ist's, dass nach dem Quoten-Misserfolg der letzten Reihe die Finanzierung jetzt doch zu stehen scheint, die Bücher geschrieben sind, die Folgen gedreht werden. (Als ich bei der Berlinale Reitz' Erstlingswerk "Mahlzeiten" gesehen habe, saß Edgar Reitz in den ersten zehn Minuten mit einem Teil des Teams der neuesten Heimat in der Reihe hinter mir. Alle waren höchst vergnügt und lachten sich (mit Reitz) über fast jeden Satz des Erstlings halb tot; vorher schon habe ich einen Bericht eines Mitarbeiters von einem Location Scouting in der Berliner Umgebung mitbekommen. Also ich freue mich wie blöd auf diese dritte Heimat. [Info via Sofa Blog]
... Link Samstag, 9. März 2002
jelinek
knoerer
11:54h
Man kann nicht mehr tun als hinzuweisen auf diese sehr intelligente und sehr aufrechte und total wirkungslose Philippika Elfriede Jelineks gegen die österreichische Medien-Krake Kronenzeitung, ein flammender Einspruch, der alles reflektiert, die eigene Wirkungslosigkeit insbesondere, sehr schöne und treffende Worte findet für die Macht und die Machtlosigkeit, um die es geht (und tatsächlich: um nichts anderes), kann ihn gut und gerne pars pro toto Springer & Co nehmen. Es hilft natürlich nichts. Und wir sind gerade die Doofen, die noch an sich zweifeln, wenn sie sowas wie Solidarität und Zustimmung zu einem solchen Text fühlen, die sich fragen, ob man nicht direkter zupacken muss, nicht so literarisch-raffiniert. Das sind wir und das werden wir immer sein. Und "wir" sollten wir schon gar nicht sagen. Die Massen lesen die Kronenzeitung, das heißt, sie hören sich selber beim Denken zu, ohne zu ahnen, dass man ihnen nur gibt, was sie je, immer schon gedacht haben, im Gegenteil, sie freuen sich, dass es welche gibt, die sagen, was sie immer schon gesagt haben, nur besser, schneller, schwärzer, und damit wird der Prozess des Denkens abgebrochen, noch ehe er beginnen kann. (...) Gerade die Uninteressierten, die Mehrheit also, werden hier zu einer Horde, einer Meute, einer Hetzmeute von Uninteressierten (das schönste Anliegen der Menschen: uninteressiert sein, aber bereit, die Finger in die Sinn-Steckdose zu stecken, bis ihnen die Haare zu Berge stehn), aufgegeben von der Politik und gleichzeitig von ihr umworben, aber es ist nicht Politik, was sie umwirbt, es ist eine Zeitung, die Politik macht, Politik IST, indem sie die Unpolitischen auf ihr Zeitungsaugenmaß zurechtklopft. (...) Aber da sind welche, die partizipieren daran, das heißt, sie verdienen gut daran. Und zu denen komme ich jetzt auf meinen leichten Laufschuhen, ganz recht, es ist der deutsche WAZ-Konzern, und der ist eine Agentur der Kolonialisierung des Nachbarlandes Österreich. Und auf diese Leute will ich jetzt mit dem Finger zeigen, und die will ich anklagen, und wenn es das letzte ist, was ich tue. (...) Sie sind die Profiteure der Volksverdummung, der Entdemokratisierung, der fortschreitenden Entropisierung eines ganzen Landes, die WAZ-ler. (...) Also bevor mein Verschwinden als Sprechende nicht einfach nur meiner Gegnerschaft, meiner Feindschaft diesem Blatt gegenüber geschuldet ist, sondern bevor mein Verschwinden das tiefste überhaupt wird: dass ich einfach nicht nötig bin, dass wir alle nicht nötig sind. Die Macht kann uns nehmen oder auslassen oder lassen oder, das natürlich am liebsten: ausgelassen sein lassen." ... Link Freitag, 8. März 2002
materialschlacht
knoerer
16:40h
Filme wie Ridley Scotts Black Hawk Down sind mir auf eine ganz bestimmte Weise unbegreiflich: diese ungeheure Kluft zwischen Aufwand und Ertrag - da kreisst ein Berg, ach was, da kreissen die ganzen Rocky Mountains und gebären so einen Film, der nichts weiter ist als ein monströs aufgeblasenes Sandkastenspielchen. Ständig denke ich mir, das muss denen doch auffallen, wie albern sie aussehen, wie sie da irgendwo in einer marokkanischen Kleinstadt auf das Kommando eines älteren Herrn aus England durch den Sand robben, und was für albernes Zeug sie da reden. Dass man daran glauben kann. Dass man das dann für Kunst halten kann. Andererseits: eine jede militärische Operation wäre ja, ginge es nicht bitter ernst um Leben und Tod, eine ebenso kindische Angelegenheit. ... Link
rush hour 2
knoerer
13:13h
So weit ist es schon: dass ich mir einen Film wie 'Rush Hour 2' ankucke mit dem Gedanken, mal seh'n, was der Jugend von heute so gefällt. War dann aber auch nix anderes als bei der Jugend von gestern, jede Menge schwachbrüstiger Zoten, viel nicht unsympathisch politisch Unkorrektes - etwa, wenn Chris Tucker als Ablenkungsmanöver anfängt, Martin Luther King zu zitieren oder seinen Buddy Jackie Chan beschimpft: Du bist hässlich wie die Dritte Welt. (Das ist nicht komisch? Doch, schon, finde ich.) Das meiste eher harmlos-halbwitzig, jede Menge Schauspieler, die nur des Geldes wegen dabei sind (von John Lone bis Zhang Ziyi), kaum was, das einen ernsthaft empören oder ärgern müsste. Eher mau die Kampfnummern, da war der frühe Hongkong-Jackie-Chan doch etwas ganz anderes; nur dass da der Humor meistens ganz unerträglich war. ... Link
trauerarbeit, die letzte
knoerer
09:59h
Ja, liebe Leser und Leserinnen, der Blogger trauert immer noch und da müssen Sie jetzt durch. Peter Glotz, der vermutlich persönlich widerlich arrogant ist, aber dennoch ein kluger Kopf mit Ansichten, die ich realistisch, aber schrecklich finde, sieht das ganze im Interview mit der FR vorwiegend vom Standpunkte der Marktwirtschaft (dem sich der Verleger Thomas Ganske neun Jahre lang widersetzt hat): "Herr Glotz, hätte man "Die Woche" retten können? Ja, sicher, wenn sich ein strategischer Investor gefunden hätte. Das Blatt war vorzüglich. Was ihm fehlte, war genügend Geld, um sich zu bewegen, um Marketing zu machen, um an die Leute heranzukommen. Leider ist diese Suche nach einem strategischen Investor missglückt. Zum Schluss hatte man die WAZ im Auge, aber das ist gescheitert." Jan Feddersen von der taz fand die Woche nicht aufregend: "Die Woche war eine Déjà-vu-Zeitung: Irgendwie hatte man das Gefühl, es woanders schon mal gelesen zu haben - wenn auch nicht so gründlich. Der Erregungsfaktor, kurzum, tendierte gegen null - im Mediengeschäft ein tödlicher Befund." Aber ist das denn, im Ernst, ein Argument gegen die Zeitung, wiederum mal nicht marktstrategisch gefragt? Oder sollte man sie nicht genau dafür, für ihre (gewiss nicht immer durchgehaltene) Unaufgeregtheit, ihre Seriosität mindestens schätzen gekonnt haben? Und Roger de Weck in der SZ: "Die Woche -Redaktion wusste es auch, denn auf einzelne gouvernementale Exzesse folgten heftige antigouvernementale Gegenschläge, so dass man vollends die Orientierung verlor und gleichwohl zufrieden war. Denn da folgte die Woche einem alten Leitsatz: Let’s surprise them, lasst uns die Leser überraschen!" Die Woche hätte eine bessere Chance gehabt, wenn sie sich als Zeitschrift neuen Typs verstanden hätte. Das moderne, preisgekrönte Layout konnte den Startnachteil nicht wettmachen. Jetzt ist sie nicht am Ziel, sondern am Ende. Schade. Und damit ist jetzt auch gut... ... Link ... Nächste Seite
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by knoerer (17.02.09, 19:11)
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by knoerer (05.02.09, 07:39)
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by knoerer (28.01.09, 11:57)
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