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Donnerstag, 28. Februar 2002
raus
knoerer
18:21h
Jetzt mal drei Tage weg, aus der Stadt, aus dem Netz. Dann wieder da. ... Link
oberhausen
knoerer
11:14h
Und wer hat heute 40. Geburtstag? Das Oberhausener Manifest und alle, alle treten sie an zur (kritischen) Gratulation. Schon die Berlinale brachte in ihrer Retrospektive und Alexander-Kluge-Ehrung reichlich Konfrontationsmöglichkeiten mit dem längst nicht mehr Neuen Deutschen Film. Reihum dominiert, wen wundert's, die Enttäuschung: in Form von Publikumsbeschimpfung in der FR: Die Festivalpreise, die der junge, der neue deutsche Film dann in den glorreichen 70er Jahren bis in die frühen 80er hinein einfuhr, so erfolgreich wie keine andere nationale Cinematographie, sie hatten daheim, in den deutschen Kinos, keine Bedeutung. Für Dietrich Kuhlbrodt in der taz trogen einfach die Hoffnungen: Und wenn wir dezidiert pro Oberhausen waren, dann weil wir hofften, dass etwas von der Nouvelle Vague, die es ja schon seit 1958 gab, zu uns schwappen würde. "Das Münchner Projekt […] könnte etwa einen deutschen Schriftsteller anregen, dem Beispiel Pasolinis und Robbe-Grillets zu folgen und sein nächstes Werk, statt auf Papier auf Zelluloid zu realisieren", imaginierte Patalas. - Verwirklicht wurden tatsächlich die institutionellen Gründungen. Am schönsten und melancholischsten die Bestandsaufnahme von Peter Körte in der FAZ, der eine Internet-Recherche nach den vielen heute völlig unbekannten Mitunterzeichnern des von Alexander Kluge verfassten und vorgetragenen Manifests angestellt hat (aber immerhin landen sie jetzt im jumpcut-weblog-Register, das mit Google auf vertrautem Fuße steht. Keiner soll je wieder ganz verschwinden, Versprechen und Drohung - man lese unter dieser Beleuchtung mal wieder Arno Schmidts Tina oder Über die Unsterblichkeit - des Internets als Archiv.) Ein paar Linien führen in die Zukunft. Alexander Kluge, klar, Edgar Reitz, auch Peter Schamoni. Andere Linien brechen ab oder werden unleserlich. Franz-Josef Spieker ertrank 1978 auf Bali, Raimund Ruehl 1965 im Wörthsee. Aber was ist mit, sagen wir, Wolf Wirth? Die Suchmaschine führt zum "psychotronischen Kino", aber auch zur Kameraarbeit bei "Grimms Märchen von lüsternen Pärchen" (1969). Hansjürgen Pohland drehte 1967 "Katz und Maus" nach Günter Grass und will heute einen Film in Los Angeles produzieren, was sich wiederum wie die Story zu einem traurigen Independent-Film liest. Oder Detten Schleiermacher? Mit Kluge und Reitz gründete er 1968 die "Ulmer Hochschule für Gestaltung", die auch schon längst wieder geschlossen wurde. Hans Rolf Strobel ging 1977 nach Tansania und drehte "Baut euch selbst ein stabiles Haus", was den Oberhausenern so gar nicht gelang. Boris von Borresholm starb am Tag des Mauerfalls 1989, Heinz Furchner soll auch schon tot sein und hat bestimmt nicht die Fahrschule eröffnet, die im Internet einem Mann gleichen Namens zugeschrieben wird. ... Link
fidelio
knoerer
10:41h
Großes Geschrei erhebt sich vom Kaiserdamm herüber, Empörung über Christof Nels Fidelio-Inszenierung. Nun habe ich, da ich sie nicht gesehen habe, darüber naturgemäß kein Urteil. Das aber, das Klaus Georg Koch in der Berliner Zeitung ausbreitet (ein vernichtendes), scheint mir in seinem atemberaubenden Konservatismus höchst dubios - was über die Qualität der Inszenierung wiederum erst mal immer noch nichts aussagt. Hier Koch: "Nun ist Klassik nicht nur das, womit Kinder gequält und Ungebildete düpiert werden, sondern Klassik bedeutet in Deutschland an erster Stelle: Interesse am Menschen selbst. "Jeder individuelle Mensch", so sagt es Schiller, "trägt, der Anlage und Bestimmung nach, einen reinen idealischen Menschen in sich, mit dessen unveränderlicher Einheit übereinzustimmen die große Aufgabe seines Daseins ist". Es ist dieser Humanismus, den Koch in seinen ästhetischen Prämissen sehr zutreffend als in sich stimmige Verknüpfung von Rolle und Musik, von Figur und guten Gründen beschreibt und den, wenn irgendein Genre, doch gerade die Oper austreiben sollte. Sie ist es, die ihrer offenbaren Künstlichkeit wegen die Gemachtheit und Gezwecktheit dieses idealistischen Menschenbilds doch mindestens herausstreicht, wenn nicht dieses Bild gleich immer wieder demontiert. Das glatte Gegenteil fordert Koch: alteuropäisch soll sich über Psychologie - als Black Box eines selbstverständlichen Zusammenhangs von Person und Handeln - Motiv und darum auch Affektbindung herstellen. Und darüber dann auch noch ein Verständnis von Politik, wie es anthropozentrischer nicht sein könnte. Genau das gilt es kaputtzumachen und genau dafür ist die Oper - gegen ihre Intentionen, versteht sich - wie geschaffen. Es könnte, dem Gezeter auch des Publikums nach, Christof Nel gelungen sein. ... Link |
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last updated: 26.06.12, 16:35 furl
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by knoerer (28.01.09, 11:57)
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