Mittwoch, 1. Oktober 2003
Tapsiges Filmkamel

"Und noch etwas versöhnt mit dem ahnungslosen Filmchen: seine Ahnungslosigkeit. Dass er die Dezenz der Dummen hat, ein Rätsel auf sich beruhen zu lassen."

Das, finde ich, ist ein sehr schöner Text von Herrn Jessen. Ich habe aber das Buch noch immer nicht gelesen.

Wobei, bei genauerer Betrachtung ist die Dezenz der Dummen im Vergleich zu ihrer Penetranz doch ein eher seltenes Phänomen.

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sozialdemokratischer Keynesianismus

"Nicht selten zerplatzen die Blütenträume von Freiheit in dem Augenblick, in dem man den Brief von der Bank aus dem Postfach nimmt, in dem diese den Dispo fällig stellt."

Einfache Wahrheiten, sollte man meinen.

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Dienstag, 30. September 2003
Gedanken zu "24"

24 erfüllt nur die Fiktion aller narrativen Normal-Fiktion: dass alles Wichtige erzählt wird. Die Fiktion der Lückenlosigkeit mit Werbepausen tut da wenig zur Sache.

24 hat keine einzige neue Idee. Schon die Kombination von Realzeit, Familienentführung und Attentat ist von John Badhams „Gegen die Zeit“ geklaut. Der Split Screen ist eine Mischung aus filmischer Telefon-Konvention und vielleicht ein paar auf seltsamen Wegen von Figgis‘ „Timecode“ zu Fox geratenen Avantgarde-Vibes.

24 ist von unverschämter Misogynie. Die Stärke der Frau liegt im Opfer für eigen Fleisch und Blut und wenn’s Ernst wird, wirft sie ihr Gedächtnis von sich. Palmers Gattin ist die nur schwarz angestrichene Verkörperung von Hillaryphobia. Und die einzige umwerfende Frau ist am Ende Agentin im Auftrag der Deutschen.

24 ist der halb gelungene Versuch, nichts zu sein als zu purer Spannung recycelte Form aus Klischees. Alles, was noch Rest von Moral und Verteidigung von Vaterland und anderen Werten ist, müsste weg. Der ganze Familien-Scheiß, dieser schwarze Heilige. Nur noch der Rhythmus steigender, sich lösender Spannungen, ein Auf- und Abbranden des Fieberns mit der reinen Narration.

[s. auch Kutter]

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Paul Benjamin: Squeeze Play

"It is not a legitimate book", sagt Paul Auster über Squeeze Play, den Roman, den er 1978 geschrieben und 1982 für 1000 $ verkauft hat, womit dann der legitime Zweck der illegitimen Literatur auch noch verfehlt wurde: Geld einzubringen. Das war vor dem Ruhm, in Hand to Mouth schreibt Auster über die Zeit. Erstaunlicherweise hat er recht damit, das Buch gehört nicht in sein Oeuvre, obwohl er danach durchaus auch schlechtere Bücher geschrieben hat. Squeeze Play ist ein PI-Roman in klassischer Hardboiled-Tradition, aber einer, dem anzumerken ist, dass es am rechten Ernst fehlt. Nicht, dass es eine Parodie wäre – obwohl da Sätze stehen wie ‚Ich fühlte mich wie eine Artischocke, der man gerade die Blätter ausgerissen hatte‘ -, nicht, dass das Buch schlechter wäre als viele andere ähnliche; es wurde sogar für den Shamus-Award nominiert, den Branchenpreis der Detektivromanschreiber. Merkwürdig berühren nur die, so paradox formuliert wie es sich anfühlt: ambitionslose Übererfüllung der Konvention, der beinahe offen bekundete Wille, alles unversucht zu lassen, was aus dem Buch ein ungewöhnliches Exemplar seiner Gattung machen könnte. Ein Autor, der auf der Suche nach der eigenen Stimme in einen Ton fällt, aus dem tausende Hardboiled-PI-Romane klingen, aber nicht die Spur Auster (man wird schon vom späteren, legitimen Werk her zurücklesen müssen, um mit viel Mühe ein wenig Auster zu finden). Zugleich gehört Squeeze Play ins Werk als das, was in der New York Trilogy bereits hinter sich gelassen ist, das reine Genre, das Untertauchen im Pseudonym der beiden Vornamen (Paul Benjamin); das wiederum als treffendes Eingeständnis, noch nicht man selbst geworden zu sein. Squeeze Play ist ein Gesellenstück in dem Sinne, dass es handwerkliche Perfektion vorführt als etwas, das mit einem individuellen Können nichts zu tun hat. Der Unterschied zum großen Teil der Genre-Literatur, die vor allem aus dieser Art Gesellenstücken besteht, liegt aber darin, dass dem Buch eine nicht abschätzige, aber selbstgewisse Überhebung abzulesen ist, in der wie absichtslosen Absichtlichkeit, mit der hier die Grenzen als selbst gesetzte unterschwellig vorgeführt werden.

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Freitag, 26. September 2003
Ameisenhaufen

So erwächst auch das Eigentümliche der Texte weniger in der Beobachtung einer Begebenheit, im mittendrin, sondern allein schon aus der Distanz, die man zwischen das Auge und den Ameisenhaufen schiebt, denn letztlich wird alles genau dazu, zum Ameisenhaufen. Natürlich sind Ameisen lächerlich, sie laufen so rum und es ist unglaublich witzig, ihre ernstgemeinte, aber doch so engstirnige Geschäftigkeit zu verspotten. Das mag bei Ameisen ja noch angehen, denn die lesen keine Zeitung.

Wenn Frau Jantzen wüsste, wovon sie spricht...

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Vorenthalten

Eine Pflicht zur Veröffentlichung:
Auch habe das Berliner Gericht festgehalten, es stehe Fischer nicht frei, seine jeweilige neue Lebensgefährtin, welchen Alters auch immer, der Öffentlichkeit vorzuenthalten.

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Edward Said, ein Genie der Freundschaft

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