Brian De Palma hat nach seinem grandios unterschätzten letzten Film "Mission to Mars", der böse geflopt ist, in Hollywood nichts mehr zu melden. Also ist er nach Europa gegangen, in Paris hat eine Retrospektive im Centre Pompidou Rekorde gebrochen, sein neuester Film "Femme Fatale" ist eine im wesentlichen französische Produktion und hat sich bei seiner französischen Weltpremiere diese Woche an die dortige Box-Office-Spitze gesetzt. Die Geschichte um eine Juwelendiebin klingt überaus abstrus, Hauptdarstellerin Rebecca Romijn-Stamos läuft wohl die meiste Zeit halbnackt durch die Gegend. Aber De Palma braucht Storys, bei denen Wahrscheinlichkeit nichts und das Potenzial zu großartigen Szenen alles ist. De Palma, dessen beste Filme ganz ununterscheidbar halb Kunst, halb Trash sind, ist kein Erzähler, sondern ein Regisseur mit Visionen, die Sinn und Verstand weder haben noch brauchen. Kamera und Tiefensuggestionen müssen sich verselbständigen dürfen, ohne Rücksicht auf Psychologie oder Story-Kontinuitäten. Ich freu' mich sehr auf "Femme Fatale".
Heute abend, 21 Uhr 30, bietet sich im Open-Air-Kino auf dem Kulturforum die (vorerst jedenfalls) einmalige Chance, das Anime "Metropolis" zu sehen, die Verfilmung eines Manga-Klassikers von Osamu Tezuka. So ganz glücklich bin ich damit zwar nicht geworden (s. Kritik), aber ein optisch überwältigendes Erlebnis ist der Film allemal.
Sehr praktisch: man kann vorher noch prima "The Terrorizers" in der Edward-Yang-Retrospektive des Arsenals ansehen (um 19 Uhr) und dann die paar Schritte rüberlaufen.
Kann mir mal jemand erklären, wie das nun passiert ist: Lehrer Heise in nullkommanix vom Helden zum Sündenbock? Klar hat der genervt, Lehrer sind schon eine schreckliche Spezies, dachte ich mir, als ich ihn so in seinem Sessel sitzen sah und aus dem Heldenleben berichten. Aber was reitet nun die Leute, kehrt Marsch zu machen und nun ausgerechnet ihn so zu behandeln, als habe er hier irgendwas angestellt? Ist er einfach nur das erste beste Opfer einer Wut, die irgendwo hinmuss und mit massenhafter Versammlung auf dem Domplatz nicht abzureagieren ist? Einer Wut, die eigentlich gegen die Medien gerichtet ist, die man aber nur in ihrem Produkt zu fassen bekommt? Einer Wut, die eigentlich Selbstmitleid ist, Kompensation eines latenten Schuldgefühls? Oder ist alles wieder nur Medienprodukt, dramaturgische Notwendigkeit einer BILD-Fortsetzungsgeschichte?
Zufällig habe ich dieser Tage zwei Auflagenzahlen irgendwo aufgeschnappt. Zum einen die der Zeitschrift "Merkur": liegt bei 4 000. Zum anderen die der "Literaturen", die bei 23 000 liegen soll. Das ist ja nun beides nicht so viel, oder? Aber ich bin ganz unsicher, in welchen Bereichen man sich da so bewegt. Der "Merkur" rechnet sich natürlich nicht, das ist ein Lieblingsprojekt von Verleger Michael Klett, so ein bisschen "Die Woche" für konservative Intellektuelle. 4 000 ist auch ungefähr die maximale Zielgruppe für ernsthaft an Kriminalliteratur Interessierte, sagt man mir (meine Crime-Corner -Erfahrungen widersprechen da nicht). Bei Film sieht's nicht so viel besser aus, da liegen die Auflagen der ernst zu nehmenden Zeitschriften um die 10 000. In dem Kontext gesehen ist die "Literaturen"-Zahl ja schon wieder gar nicht so schlecht. Was ich mich ohnehin schon länger frage: Wie gut könnte man eigentlich die großen Feuilletons unserer Zeitungen separat verkaufen? Sind das nicht eigentlich ungeheure Subventionsunternehmungen für kleine radikale Minderheiten?
Wenn diesen Monat hier weniger los ist, dann liegt das - wie schon mal kurz erwähnt - daran, dass ich mich gerade für Satt.org als Berliner Straßenreporter durchs Alphabet bewege. Gucken Sie doch mal vorbei, täglich neu!
Ein unerschöpflicher Quell der Menschenkenntnis sind die Informationen, die die Reviewer bei Amazon (der amerikanischen Ausgabe) über sich zur Verfügung stellen. Die Unzahl von Menschen, die hunderte zum Teil außerordentlich kluger Kritiken, Impressionen, Empfehlungen bei Amazon veröffentlichen, auf dass der Rest der Welt das völlig zufallsüberlassen lese, versetzt mich immer wieder in Staunen. Für ein echtes Genie halte ich den rundum beschlagenen Darragh O'Donoghue aus Dublin, der sich gerade rasant seiner 600. Kritik nähert. Aber dann gibt es da noch die Top Reviewerin Harriet Klausner, die zwei Krimis täglich bespricht (insgesamt, Stand heute, 13 Uhr, 3154). Wirklich anrührend aber so lakonische Selbstbeschreibungen wie diese hier von einem Sam Mills:
I live in Lake City, California, seven miles north of Cedarville, Modoc County. Formerly I co-owned (with my son Josh) Great Basin Books, a used-book store. We closed it last month after two years. I sell a few used books on Amazon. I have been an editor of books, magazines, and newspapers since I was an infant (since junior high school, anyway). I have been exclusively a freelance line and developmental editor since 1994. When the dot-coms crashed last fall (2000) I lost my client base and have been struggling to re-establish one ever since. I'm a good editor, a cowardly writer, and have an abiding love for literature and poetry. In 1998 I studied herbalism and traditional uses for southwestern native plants with Michael Moore at his Southwest School of Botanical Medicine in Bisbee, Arizona. Right now I live in Surprise Valley at the feet of the Warner Mountains on a 26-acre farm that, thanks to the aforementioned crash, is about to be foreclosed on (wish me luck!). I hope to grow and market medicinal herbs someday, as a sideline, but my first love is the printed word. I may try to do some sort of publishing here, perhaps a small magazine or reprinted books. It's a dream, anyway. My dogs are Sally and Rudy; my cats (accumulated strays) are Ned, Grace, RuthApricot, and Blind Lemon Mama. My interests include American social history; Macintosh computers; permaculture; movies of all kinds. I love James Cagney; _Pennies from Heaven_ (the movie); _Last Tango in Paris_; Dashiell Hammett; Raymond Chandler; Ford Madox Ford; THOMAS HARDY; the poetry of Frank Stanford; my memories of '50s Iowa and '60s L.A., and waking up each morning here in the middle of nowhere.