Samstag, 27. April 2002
traumberufe


Gesichtet: Potsdamer Platz Arkaden

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wozu systeme


Peter Fuchs rezensiert (in der FR, die heute alle anderen Zeitungen entschieden in den Schatten stellt) das neue Buch von Dirk Baecker: die beiden originellsten Luhmann-Schüler sind unter sich und allein die Rezension macht schon großen Spaß; das Buch selbst hätte ich auch gerne. Hier die Formulierung der faszinierenden zentralen Figur (interessant auch, dass Baecker wie Fuchs mit viel Einfallsreichtum darauf hin arbeiten, Luhmann über ganz unerwartete Ecken auf die Dekonstruktion zuzutreiben):

In der alten arabischen Parabel vom 12. Kamel sollen elf Kamele unter drei Erben nach einem Schlüssel verteilt werden, der dem ältesten Erben die
Hälfte, dem jüngeren ein Viertel, dem jüngsten ein Sechstel zuspricht. Will man die Kamele nicht schlachten und das Gesamtgewicht des Fleisches der
Verteilung zu Grunde legen, ergibt sich eine konfliktschürende Unmöglichkeit. Es scheint ausgeschlossen, die Verteilung dem Willen des
Erblassers gemäß zu vollziehen. Die Lösung ist denkbar seltsam und genial.
Ein weiteres Kamel wird den Erben geliehen. Wäre das geliehene Kamel (die Leihgabe) im Spiel, ließe sich rechnen: Die Hälfte von 12 ist 6; ein Viertel
von 12 ist 3; ein Sechstel von 12 ist 2. Und: 6 + 3 + 2 ergibt: 11. Das 12. Kamel kann weggenommen werden.

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leni riefenstahl liebt harry potter


Ich habe überhaupt keine Lust, irgendwas zu Leni Riefenstahl zu sagen oder zu denken, da ist einfach alles gesagt und gedacht, ein Interview wie das in der FR heute löst eigentlich nichts anderes aus als das Staunen über diese ungeheure Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen (na gut, ein paar Mal habe ich mir doch mit der flachen Hand gegen die Stirn geschlagen).

Welche Filme haben Sie zuletzt gesehen?

Moulin Rouge und Harry Potter.

Warum denn Harry Potter? Das ist doch ein Kinderfilm?

Mir hat das Buch kolossal viel Spaß gemacht. Ich habe alle vier Potter-Bände gelesen, ich konnte gar nicht aufhören zu lesen, so sehr hat mich das begeistert. Den Film fand ich dann nicht so überragend. Wobei es sicher schwierig war, ihn zu drehen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie sie das umsetzen wollen.

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Diedrich Diederichsen liefert heute in der FR eine ganz und gar brillante (am ehesten kann man, methodisch, wohl sagen: soziologische) Analyse des "Prinzips Subkultur" - hochinteressant darin, unter anderem, wie die Dialektik von Hoch- und Subkultur als Geschichte von Dialektiken beschrieben werden kann, denen im Verlauf ihrer Wiederholungen und Imitate von "Methoden", Techniken des Umgangs mit "Kultur" etwas widerfährt, das nicht mehr mit Begriffen der Vernutzung zu erfassen ist. Und was diese Techniken des Umgangs als Formen von Gemeinschaftsbildungen über Exklusion immer noch, kantisch übrigens, mit Politik zu tun haben: nämlich in der Einforderung von grundsätzlicher Anerkennung der eigenen (aber als allen möglichen postulierten) Erfahrung .

Diederichsen selbst verortet sich übrigens inzwischen, das wird gegen Ende sichtbar, ganz klar weit außerhalb aller spezifischen Kulte, richtet sich in der Fiktion einer Mittlerrolle des generalisierten Insiders, und zwar sehr überzeugend, ein. So dass sich das, unter anderem, wie ein Programmpapier für die neue Bundeskulturstiftung liest, der Diederichsen, gar kein Zufall, als fachlicher Beirat zugehört.

(Schade nur, dass der Korrektor offensichtlich vor dem komplexen Text so ganz und gar die Waffen gestreckt hat: so viele stehen gebliebene Schnitzer auf einem Fleck habe ich noch selten gesehen.)

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Mothman Prophecies

Mal andersrum... was Regisseur Mark Pellington aus dieser verunglückten Vorlage macht, ist aller Ehren wert. Ne echte Entdeckung.

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Freitag, 26. April 2002
künstlerselbstvergottung


Dies Tarkowski-Verdammungswort, gegen alles, was, nun, genau genommen, wohl: nicht Tarkowski-Film ist, aus einer merkwürdig unentschiedenen Würdigung in der NZZ zum 70. Geburtstag von Andrei Tarkowski:

"Eine grössere Anzahl solcher Filme sich anzusehen, ist schlicht und einfach unmöglich. Es ist, wenn man sie sieht, geradezu lächerlich, auch bloss an Filme zu denken, die das Wesen der Erscheinungen zu erfassen suchen, oder an eine Art von Montage, die das künstlerische Anliegen eines Regisseurs zum Ausdruck bringt. Es hat den Anschein, als würden all diese Filme vom selben Cutter montiert, und dies mit dem einzigen Ziel, sie dem Publikum möglichst schmackhaft zu machen."

Tarkowski ist wirklich ganz exemplarisch eine dieser Gestalten, deren Werke einen faszinieren können, solange man die Ideologie, die dahinter steht, ignoriert. Tarkowski selbst in seinen Äußerungen ist ein ganz unausstehliches Beispiel für Künstlerselbstvergottung, ignorant und arrogant, dass man dreinschlagen möchte, gegen alles, was seine Sicht auf die Welt und Gott und die Wahrheit nicht teilt. Die Filme, solange sie dann nichts als sie selbst sind, also ein ganz partikularer Entwurf, solange sie nicht eine Philosophie hinaustrompeten, die hinter ihnen stecken mag, sind freilich zum großen Teil überwältigend. Klüger und vielschichtiger als ihr Schöpfer. Schlimm wird es, ähnlich wie bei Angelopoulos, erst bei den späten Sachen, wenn der Regisseur sich selbst so restlos verstanden zu haben glaubt, dass seine Intentionen und sein Werk fatal halbwegs zur Deckung gelangen.

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obersoziologie


Heinz Bude klärt uns und die Sozialdemokratie heute in der SZ darüber auf, dass es sich nun gefälligst haben soll mit großen Gedanken, gar Utopien, all das ist nichts als Besserwisserei. Gebraucht wird stattdessen die Fähigkeit, das als eigene Leistung schönzureden, was ohnehin passiert, die rasche Mobilisierung von Krisen-Reaktions-Kräften, die Akzeptanz der eigenen Marginalität im Gesellschaftsganzen. Neu definieren will Deutschlands Obersoziologe - und für den "gesellschaftstheoretisch informierten Leser" versteht sich das ohnehin von selbst - die soziale Frage, mit dem Begriff "Exklusionsvermeidung" bemäntelt er, worauf er durch die mit so viel Schwung eingetretenen offenen Türen hinaus will: auf den Zwang zum Kommunitären nämlich, wie ihn der von Bude so sehr geschätzte Tony Blair vorexerziert. Am schlimmsten ist dabei der blasierte Ton, der alles, was, mit guten, sei's mit nicht so guten Gründen, anderer Ansicht ist, für geistig verrentet erklärt. Ganz schön ekelhaft, das.

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