Montag, 25. März 2002
thomas gottschalk


Ich bin mit Thomas Gottschalk groß geworden. Die B3-Radioshow (mit Günter Jauch) hat mir manchen tödlichen präpubertären Provinznachmittag gerettet. Aber heute ist Gottschalk ein alter Sack, eine Art Vater, für den man sich schämt. Mir fällt kein Grund mehr ein, mit dem ich ihn verteidigen könnte. Ich kann "Wetten dass...?" nicht mehr sehen ohne eine Gänsehaut des Peinlich-Berührtseins. Ich kann nur immer fünf Minuten reinschauen, dann nehme ich reißaus. Letzten Samstag trat in diesen fünf Minuten Rod Stewart auf, von Gottschalk als einer der Lieblingsgäste angekündigt. Es war entsetzlich, zum Heulen. Ein Medley der Hits, die Gottschalk auch schon damals, einst, vor einer Ewigkeit in der Radioshow gespielt hat. Aber nicht die Zeit ist stehengeblieben, sondern Rod Stewart sind es und Gottschalk und all die geistigen Frührentner, die seines Geistes sind. Es war zum Heulen, "Baby Jane" im schauerlichen Playback zu sehen/hören. Diese Musik rührt an etwas, mag reine Nostalgie sein, aber ich bin jetzt ein erwachsener Mensch und die einzig vernünftige Haltung dazu ist, über die eigene Sentimentalität solidarisch zu lächeln. Das aber so vorzuführen, mausetot und nicht zu merken, wie mausetot, wie herzzerreißend furchtbar das ist, das ist die wahre Bankrotterklärung von Gottschalk und "Wetten dass...?"

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Sonntag, 24. März 2002
knowles


Nochmal zu Harry Knowles, den zu verteidigen ich immer wieder Lust habe. Einen erstaunlich ressentimentgeladenen Artikel zu Aint It Cool, aber auch zu den Schweinereien im Filmjournalismus, der Filmwelt als solcher und im Rest des Universums überhaupt druckt der Guardian ab. Trotz aller Ungerechtigkeiten, die John Patterson da geifernd ausspuckt, kann es natürlich sein, dass er, alles in allem, recht hat.
[via Linkmachinego]

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mctiernan

Szenenfoto: John McTiernanIn der neuesten Ausgabe der epd film widmet Georg Seeßlen unter dem schönen Titel "John McTiernan oder wie sich Antonin Artaud, Bert Brecht und Wile E. Coyote in den Filmen eines scheiternden Handwerkers des späten amerikanischen Aktionsbildes miteinander unterhalten" dem von mir hoch geschätzten Regisseur ein sehr interessantes Porträt. McTiernan (Regisseur u.a. von Stirb Langsam, Last Action Hero, Thomas-Crown-Remake) ist einer derjenigen, die im Hollywood von heute böse zwischen alle Stühle geraten sind: weder das kommerziell erfolgreiche Wunderkind à la Fincher (dessen neuester, Panic Room, übrigens eine rechte Enttäuschung ist) noch einer der üblichen Studio-Hacks, denen nichts anderes ein schlechtes Gewissen macht als ein Einspiel unter 100 Millionen. Davon nun war McTiernan mit seinem letzten Werk, Rollerball denkbar weit entfernt.

Der Film, der nächste Woche anläuft, ist ein seltsamer Bastard: es sprechen aus ihm der Wunsch, es einmal ganz anders zu machen, sich den üblichen Dramaturgien nicht zu beugen - und, selbstverständlich, muss man wohl sagen - auch der, sich einer Masse anzudienen, die im Film selbst als dumpf gezeichnet wird. Was dabei herauskam, hat dann kaum einem gefallen: den Kritikern sowenig wie dem Publikum (und die Studiobosse werden McTiernan jetzt vermutlich den Haien zum Fraß vorwerfen wollen). McTiernan besaß übrigens die vermutlich aus dem Mute der Verzweiflung geborene Tollkühnheit, Harry Knowles von Ain't It Coolpersönlich zu einer Testvorführung von Rollerball einzuladen, gar zu begleiten. Zum Dank hat Knowles - der sich gegen Bestechlichkeitsvorwürfe immer wieder zu verteidigen hat - den Film vor den Augen seiner großen Internet-Gemeinde so gründlich zerfetzt, dass das Studio noch mal ein halbes Jahr ins Land ziehen und den Film umschneiden ließ. Geholfen hat es nichts - und um die Zukunft von McTiernan muss man jetzt wirklich bangen.

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Freitag, 22. März 2002
pressemitteilung

Das Sony Lineup 2002 ebnet den Weg für eine weltweite Marktführerschaft

Mike Goodridge / Los Angeles
14. März 2002
Kein Teilnehmer verließ die Anfang März in Las Vegas zu Ende gegangene ShoWest Convention ohne den überwältigenden Eindruck, dass Sony Pictures eines der vielversprechendsten Lineups präsentiert hat,
mit dem ein Studio seit Jahren aufwarten konnte. (...)

Na, da sind wir aber froh.

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1002. nacht

Joseph Roth ist einer der Autoren, die so schöne Sätze schreiben, dass man sie vorlesen will. Oder irgendwo hinschreiben, damit die anderen sie auch lesen können. Beim Zitieren merkt man dann, dass sie, aus ihrem angestammten Habitat gerissen, ein wenig Aroma verlieren, kein Wunder, aber schön genug sind sie noch immer. Über den Schah von Persien, bei seinem Wien-Besuch:

Ihm waren bis jetzt nur nackte und verhüllte Frauen bekannt gewesen: Körper und Gewänder. Zum erstenmal sah er Verhüllung und Nacktheit auf einmal. Ein Kleid, das gleichsam von selbst fallen zu wollen schien und das dennoch am Körper haftenblieb: es glich einer unverschlossenen Tür, die dennoch nicht aufgeht."
[Die Geschichte der 1002. Nacht]

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investigatives feuilleton

Ein Dokument, das Staunen macht: die SZ war live dabei, als die FAZ beschloss, das Feuilleton doch nicht nach Berlin zu schicken. War der Raum verwanzt oder wie läuft sowas (Borderline-Journalismus und blühende Fantasie sind ja wohl eher nicht verantwortlich, oder?)?

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Kalifornien-Log, sehr herzlich willkomen: Siebenviertel.

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