Sonntag, 10. März 2002
nachrichten

Warum sollte man eigentlich überhaupt noch Nachrichtenmedien zur Kenntnis nehmen? Die Lage der Welt kann man sich per Google prima selbst zusammenschauen. Hier z.B. ein paar Zitate aus den ersten vier Texten, die die Suchmaschine auf die Anfrage "Gehalt monatlich überleben" ausspuckte (ist natürlich alles keine Nachricht; eben). Daraus könnte man ein echtes Genre machen.

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Sie ist eine Edelnutte aus Havanna, die während unserer Dreharbeiten verhaftet wurde und einer 5-jährigen Gefängnisstrafe entgegensieht. Außerdem begleiten wir die 27-jährige Ärztin Migdani. Auch sie geht anschaffen, weil sie von ihrem Gehalt von elf US-Dollar monatlich nicht überleben kann.

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Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die meisten Ägypter sich täglich dem Kampf ums Überleben stellen müssen. Oft muss sich eine ganze Familie ein Zimmer teilen, manchmal sogar nur ein einziges Bett - einige der Kinder schlafen mit den Eltern oben im Bett, die übrigen auf Matten darunter.
Kairo droht in ihrer Einwohnerflut zu ersticken. Niemand weiß genau, wie viele Menschen im Großraum Kairo, die Schätzungen liegen bei 16,5 Mio. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte in Kairo beträgt etwa 27.000 Einwohner pro Quadratkilometer (Stand 1999). In manchen total übervölkerten Stadtteilen Kairos entspricht sie einem voll besetzten Olympiastadion (90.000) mit 20.000 Menschen dicht gedrängt auf dem Gelände davor.

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"Warum können die Pfarrer im Westen ihr Gehalt nicht auf 90 % reduzieren, so daß alle Pfarrerin Deutschland auf dem selben Niveau sind?" (Pfarrer)

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Diäten und Einkommen der Politiker sollten an den durchschnittlichen monatlichen Verdienst je Arbeitnehmer (real z. Zt. ca. 2220,- DM) gekoppelt werden u. zwar ein Festgehalt u. ein variabler Teil der um die jeweiligen Staatsschulden, Arbeitslosen- u. Sozialhilfeempfänger in Prozent vermindert wird.

Beisp. für MDB: (je Monat)
Festgehalt: 2220 * 5 = 11100,- DM
Variabel: 2220 * 5 = 11100,-DM - 75% = 2775,- DM
Summe: 13875,- DM

( Die 75% setzen sich zusammen aus 60% Staatsschulden, 10% Arbeitslose u.
5% Sozialhilfeempfänger (geschätzt))
Solange die Politiker den Mist den sie Bauen nicht auf dem eigene Konto verspüren wird sich nichts ändern.

Eine Volksabstimmung sollte drüber befinden.

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film

"If there's ever a problem, I film it and it's no longer a problem. It's a film"
- Andy Warhol

[von hier - und da sollten Sie ohnehin mal vorbeischauen, denn das sind tolle Gedanken; Hinweis bei textism]

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handsome family

Aus dem Rundbrief der wunderbaren Band "Handsome Family" an ihre Fans (es kommen dann, später im Brief, auch Infos zur neuen CD und Tourdaten):

FUN HOME PROJECTS!

Make a ghost tape!
It's easy. Simply place a blank cassette into your recorder and press 'record'. Turn out lights and ask the darkness, "Is there anyone out there who would like to speak to me?" Sit quietly until tape recorder clicks off. Now just rewind the tape and listen. Listen carefully! Is that your dead grandmother telling you where the government bonds are hidden? Or, could it be Jack the Ripper singing "Silent Night"? Too many ghosts on your tape? Simply fill your shoes with salt to disperse unwanted presences.

Learn to understand animals!
Simply bury yourself underground for one full month with a small breathing tube in your mouth leading up to the surface. No cheating! Try to focus on
white light only. Most yogis who accomplish this discover upon returning to the surface world they are now able understand everything from the flick of
a lizard's tongue to the growl of a rabid dog. Caution: unpleasant side effects such as flowers growing from abdomen and unexpected levitations have been noted.

Was es heißt, mit der schönsten Musik der Welt gerade mal so durchzukommen, erfährt man hier:

"Also--somewhere toward the end of the Irish shows, maybe in Cork or Dublin, Brett's brother Darrell will arrive and begin to play drums with us and sing lovely harmonies. (...zehn Tourneedaten später:) Somewhere in here Darrell will go home and our invisible, electronic drummer will join us again. Sorry, but some of us have jobs to keep."

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kuhlbrodt

Jetzt erst entdeckt: die Tagebuchserie von Detlef Kuhlbrodt in der Jungle World. So einer, den ich nur aus dem Veröffentlichten kenne und von daher sehr sympathisch finde. Noch sympathischer wird er einem durch diesen Blick durchs Schlüsselloch in seine zwischendurch nicht mehr untervermietete 5-Zimmerwohnung. Sehr viel ist aus diesen Texten zu lernen: über eine Existenz am Rand des Kulturbetriebs; ganz am Rand, muss man wohl sagen über einen, der vorwiegend mit taz-Schreiberei so über die Runden kommt. Einer, der sich tatsächlich ein Gewissen macht. Über die Welt und das was er schreibt. Der sich, das muss mal so pathetisch gesagt sein, nicht verkauft, obwohl er, vermutlich, mit nur ein bisschen Verbiegen, ganz gut verkäuflich wäre. Sollte mal irgendwer, viel später, ein Interesse haben, wie das gewesen sein könnte, jenseits von Berlin Mitte gelebt zu haben, damals, in den Zeiten von Berlin Mitte, dann wird man Kuhlbrodt lesen müssen. (Vermutlich wird aber auch später keiner ein Interesse haben.)

"Eine Weile lief's dann prima und dann halt nicht mehr so. Man wird älter, lebt immer noch vom Journalismus im Kulturbetrieb, der einem fremd ist, obgleich man mit drin steckt, man schreibt immer noch für die taz, weil man da halt zu Haus ist und einem die anderen Zeitungen suspekt sind und weil man viele, die bei der taz arbeiten, nett findet, und weil man ab und an ein Lob kriegt von Leuten, die in ähnlich unsicheren bis verpeilten Zusammenhängen leben. Gleichzeitig kotzt einen das eigene Schreiben immer öfter an, das Kettenrauchen am Schreibtisch macht einen fertig, und viele Artikel traut man sich gar nicht mehr, noch mal zu lesen.

Oder Einträge wie dieser (man muss ja gar nicht Balzac lesen, um zu wissen, dass nichts konkreter ist als Geldsummen. Man müsste einen Roman schreiben wie eine Bilanzliste. Das Leben als Anhängsel von Ausgaben und Einnahmen):

Kontoauszüge. Deprimierend: - 4.564,44. Andererseits: Vor einem Monat waren es noch - 5.141,-. Ein bisschen stolz, dass ich im letzten Monat nur 376,- fürs normale Leben ausgegeben habe.

Oder dieser:

Annettes Geburtstag. Jens sagt, er werde im nächsten Jahr wahrscheinlich irgend so eine drei Meter hohe Figur in Dresden an einer Kirche machen. Zwei vor ihm sind daran schon gescheitert. Beide tot. Einer wurde vom Gabelstapler getötet.

Der Tod spielt ohnehin eine prominente Rolle im Tagebuch, das von vorne bis hinten lesenswert ist, hier die Links zu den einzelnen Teilen:

Nein, vorher noch dieses Zitat:

Stoned. Wie komisch unzusammenhängend mir mein ganzes Leben vorkommt. Kein schlimmes Gefühl. Aber auch nicht besonders romantisch. Vor allem gehetzt, unruhig. Ach, Unsinn. Die Tage gefallen mir doch, es ist schön, der neue, weiche Schnee, der dort draußen liegt.

1.Teil
2. Teil
3. Teil
4. Teil
5. Teil

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heimat 3

Die Geschichte beginnt am 9. November 1989. Am Abend des Mauerfalls treffen sich zwei von Karrierestress und Heimatlosigkeit geplagte Musiker, (der Dirigent Hermann Simon und die Sängerin Clarissa Lichtblau) in einem Westberliner Hotel. Sie waren einmal ein Liebespaar und hatten sich im erfolgsorientierten Jet-Leben 17 Jahre lang verloren. Angesteckt von der Aufbruchs-Euphorie der Deutschen und ihres Wiedervereinigungstaumels machen sie sich auf den Weg in den Hunsrück. Ein romantisches Fachwerkhaus hoch über dem Rheintal hat es ihnen angetan und soll von nun an die Mitte ihres ruhelosen Lebens werden. Was hier beginnt und über ein ganzes Jahrzehnt erzählerisch verfolgt wird, ist die Geschichte einer Liebe nach dem Happyend.

So beginnt, laut offiziellem Kurzinhalt, der dritte Teil der Heimat von Edgar Reitz. Allein das Glück, nur die Namen Hermann und Clarissa wiederzulesen... Ganze Schockwellen der Erinnerung an die Zweite Heimat löst das aus. Ein Wunder ist's, dass nach dem Quoten-Misserfolg der letzten Reihe die Finanzierung jetzt doch zu stehen scheint, die Bücher geschrieben sind, die Folgen gedreht werden. (Als ich bei der Berlinale Reitz' Erstlingswerk "Mahlzeiten" gesehen habe, saß Edgar Reitz in den ersten zehn Minuten mit einem Teil des Teams der neuesten Heimat in der Reihe hinter mir. Alle waren höchst vergnügt und lachten sich (mit Reitz) über fast jeden Satz des Erstlings halb tot; vorher schon habe ich einen Bericht eines Mitarbeiters von einem Location Scouting in der Berliner Umgebung mitbekommen. Also ich freue mich wie blöd auf diese dritte Heimat. [Info via Sofa Blog]

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